Sochos - Kurzporträt von Sochos
Am Fuße des Berges Vertikos
Sochos, die Partnergemeinde von Steglitz, ist eine kleine ruhige Stadt, die ca. 54 Kilometer nordöstlich von Thessaloniki an der Grenze der Präfekturen von Thessaloniki und Serres liegt. Die Landschaft vermittelt dem Neuankömmling Ruhe und man spürt die Klimaveränderung. Abseits der Nordgriechischen Hauptrouten gelegen und hinter dem Volvi-Gebirge versteckt, lässt Sochos, das am Fuße des knapp 1000 m hohen Vertikos-Berges gebaut ist, den oberflächlichen Betrachter kaum etwas von der Geschichtsträchtigkeit der Gegend ahnen.
Landwirte und Kaufleute
Sochos ist Kreisstadt und mit 3422 Einwohnern (Volkszählung von 1991) der drittgrößte Ort der Präfektur, wobei die wirkliche Einwohnerzahl der Stadt gemäß den Gemeindedaten 5000 Bürger (1994) beträgt. Die Beschäftigung setzt sich aus nur 48,5% Beschäftigten in der Landwirtschaft, 24,7% im Verarbeitenden Gewerbe und Handel und 26,8% im Sektor Transporte, Handwerk und Dienstleistungen zusammen. Dies unterstreicht das Städtische von Sochos. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte der Gegend sind Getreide, Nutzpflanzen, Futtermittelpflanzen sowie in geringen Mengen Kirschen und Walnüsse. Die landwirtschaftliche Tierproduktion ist ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig, und da die Gegend über ausgedehnte Weideflächen und Wälder verfügt, verzeichnet die Tierproduktion -sowohl als auch unternehmerisch - einen deutlichen Zuwachs. Schließlich stellt die Nutzung der Wälder einen weiteren wichtigen wirtschaftlichen Faktor für die Bewohner von Sochos dar.
Die heutige Stadt verfügt über kein besonderes Industrie- und Gewerbegebiet. In der Stadt verstreut produzieren acht kleinere gewerbliche Betriebe (Käsereien, Eisenwerkstatt, Handwerkerbetriebe, eine kleine Schuhfabrik).
Luftkurort
Das Klima von Sochos wir als feucht und mittelwarm bezeichnet und durch kalte Winter und warme Sommer bestimmt. Sochos liegt in der Zone der immergrünen Wälder (600-1000 m) des Berges Vertikos. Wegen des Fehlens von Industrieanlagen und anderen Quellen der Luftverschmutzung in der Region von Sochos gibt es hier keine Probleme mit der Luftreinhaltung.
Die Abfälle von Sochos werden mit Hilfe eines Müllabfuhrfahrzeugs gesammelt. Zu bemerken ist, dass Sochos die einzige Siedlung in der Gegend ist, in welcher der Müll mit Hilfe von Hausmülltonnen entsorgt wird. Sowohl der Müllwagen als auch die passenden Mülltonnen sind ein Geschenk des Bezirks Steglitz an seine Partnergemeinde von Sochos.
Schutzpatron der Transporteure und Autofahrer
Die Bewohner von Sochos scheinen im allgemeinen von einer tiefen Religiosität beseelt zu sein, welche offensichtlich ihre Wurzeln in Urzeiten hat und welche durch die Existenz zahlreicher Kirchen und Kapellen manifestiert wird. Die Zentralkirche von Sochos ist die des heiligen Georg. Sie steht am Hauptplatz inmitten der Siedlung, am Ort des ehemaligen Einkauf-Zentrums. Sie ist eine Basilika und wurde 1770 vom reichen Sochioten Händler Hatzichariskos erbaut. Die Kirche des heiligen Georg zu Sochos ist eine Seltenheit, denn im Gegensatz zu anderen Kirchen ist sie zweigestaltig, d.h. sie beinhaltet auch die Kapelle des heiligen Christophorus, des Schutzheiligen von Sochos, und daher anstelle der drei Ikonenwand- (Templon-) Pforten deren vier, denn die Ikonenwand der Kirche ist mit der der Kapelle vereint worden. Die Christophorus-Kapelle soll im 8.-9. Jahrhundert errichtet worden sein.
Weitere Kirchen in der Gemeinde von Sochos sind die der Gottesmutter (Grablegung Mariae), wo sich auch der Friedhof der Stadt befindet, die des heiligen Demetrios, der heiligen Apostel, der Heiligen Barbara und der heiligen Paraskeve. Es gibt ferner mehrere Kapellen. Zur Zeit wird bei Sochos ein Frauenkloster, zugehörig zum Kloster Docheiarios vom Berg Athos, erbaut.
Landwirtschaft im Wandel der Jahrhunderte
Die Region um Sochos hat im Laufe der Jahrhunderte ihr Aussehen derartig verändert, dass es heutzutage schwierig ist, sich eine Vorstellung der früheren Verhältnisse zu machen.
Südlich von Sochos erstreckte sich langgestreckter See, der Volvi-See. Dessen Überreste sind die beiden Seen Agios Vassilios und Volvi. Dieser See erstreckte sich z.Z. der Perserkriege entlang der 100m Höhenlinie der heutigen seenplatte und versperrte die heutige Passage südlich der beiden Seen. Dieser See ging erst byzantinischer Zeit soweit zurück, dass man von zwei getrennten Seen in der Gegend sprechen konnte. Am unteren Flusslauf des Strymon existierte ferner ein vom Fluss durchströmter weiterer See, der Achinos-See, der erst kurz vor dem zweiten Weltkrieg trockengelegt wurde. Außerdem existierte im Tal, das sich südöstlich von Sochos erstreckt, ein weiterer See, derPrasias-See, dessen Überreste, zwei verlandete Seen, der von Mavrouda und der von Lantzos, ebenfalls kurz vor dem Krieg trockengelegt wurden. Demzufolge führte der einige überregionale Weg in jener Zeit von Therme (Stadt in der Nähe des später gegründeten Thessaloniki) über den heutigen Ort Langadas nach Sochos. In Sochos gabelte sich der Weg: der südliche Ast führte Südosten und verlief bis zum heutigen Ort Asprovalta, und von dort folgte der Weg der Küstenlinie über Amphipolis bis nach Thrakien - dieser Route folgte die während der römischen Herrschaft erbaute berühmte Via Egnatia, die das Adriatische Meer mit Asien verband; der nördliche Ast überquerte das heutige Vertikos-Gebirge über einen Paß und erreichte den Ort Nigrita und führte nach Serres (dem antiken Sirris). Erst die Eisenbahnverbindung zwischen Thessaloniki und anderen Balkanregionen sowie das Aufkommen automobiler Transporte beendeten die Wichtigkeit dieser Routen für den überregionalen Transport von Gütern und Menschen und führten zum Ausbau der heute aktuellen Route südlich der Seenplatte. Jedoch die z.Z. im Bau befindliche vierspurige Autobahn neue Via Egnatia, die quer durch Nordgriechenland vom Ionischen Meer bis zur griechisch-türkischen Grenze verläuft und auf den Spuren der antiken Via Egnatia gebaut wird, bringt Sochos wieder in die Nähe einer der zukünftigen wichtigsten Verkehrsadern des Landes.
Antike Funde
In der Gegend von Sochos fanden bisher keine wesentlichen archäologischen Untersuchungen statt. Aus diesem Grund sind lediglich einige Zufallsfunde ans Licht gekommen, die ihr Dasein bis heute in den Magazinen des Archäologischen Museums von Thessaloniki fristen. Dies mag seine Ursache darin haben, dass bis heute die Altertumsforscher die Geschichtsträchtigkeit von Sochos und seiner Umgebung verkannt haben.
An der Stelle "Brunnen des Mädchens" östlich von Sochos fand man Scherben von Tongefäßen und Ziegelsteinen, sowie Bausteine und Marmorteile aus alten Ruinen.
An der Stelle "Schlacke" stößt man auf Schlacken, die Überreste antiker Metallgewinnung und -verarbeitung sind.
Das Areal zwischen Sochos und der Nachbargemeinde Avgi ist mit Trümmern und Gräbern übersät.
Auf dem Gipfel namens Heiliger Christophorus, wo die gleichnamige Kapelle steht, befinden sich Überreste einer Mauer, die wahrscheinlich als Zufluchtsort diente. Der Gipfelsaum beträgt 200m und ist gegen Norden, Osten und Westen durch die Mauer bewehrt, wobei an der nördlichen Seite der Mauer viereckige Zimmer angebracht sind. Die gesamten Bauten sind durch plattenartige Steine ohne Mörtel errichtet. In Sochos selbst sind Wasserleitungen aus Ton gefunden worden, die in einer Umhüllung aus Kalkmörtel verlegt waren.
Eine weitere archäologisch interessante Stelle ist "Samothrake", wo man kürzlich antike Grabstätten fand.
Vorgeschichte
Westlich von Sochos steht eine Erhebung Namens "Hügel des Urdas", die mit Scherben und Steinwerkzeugen übersäht ist. Sie sind die z.Z. ältesten Funde aus der Gegend von Sochos und wurden im Jahr 1937 ans Licht gefördert. Bei im geringen Umfang vorgenommenen Ausgrabungen stellte man vier vorgeschichtliche Bauphasen fest. Von denen die Jüngste der frühen Eisenzeit (1100-700 v. Chr.) und die Älteste der mittleren Kupferzeit (2000-1500 v. Chr.) zugeordnet werden. Man stellte ferner das Vorhandensein von mykenischer Keramik fest.
Klassische Antike
An der Kapelle der heiligen Kyriake befinden sich Überreste eines antiken Tempels, und hier fand man eine stark verwitterte marmorne Frauenstatue im Lebensgröße, die dem Archäologischen Museum von Thessaloniki übergeben wurde. Diese 1969 gefundene Statue ist ein Prototyp aus dem 5. Jahrhundert v.Chr., und von ihr ist ein Fragment von 45 cm Größe erhalten geblieben.
In der Gleichen Gegend entdeckte man 1965/66 die 20 cm große Statuette eines gekleideten aufrechtstehenden Mannes, hergestellt aus Tropfstein, die dem Archäologischen Museum von Thessaloniki übergeben wurde.
Hellenismus
Südwestlich der Kapelle der heiligen Kyriake befinden sich zahlreiche Trümmer von gemäßen aus der antiken griechischen und römischen Zeit. Hier entdeckte man um 1966/67 eine geplünderte antike Grabstätte mit marmornem Dach und Knochenresten.
Südöstlich derselben Kapelle befinden sich in den umliegenden Äckern viele Scherben kleiner und großer Gefäße. Hier fand man unversehrte riesige Tonkrüge, Säulenkapitelle, Säulensockel und viele Münzen.
Römische Epoche
Am westlichen Stadtende, inmitten eines Ausflugslokals, befinden sich die Ruinen eines Balaneums (Badeanlage), errichtet aus Ziegelsteinen und Kalkmörtel. Hier fand man auch Bleirohre, einige Inschriften sowie marmorne Bauteile.
An der Anhöhe "Thodoria" (Theodoria) wurden ein Lacrimarium (Tränenauffanggefäß) sowie Reliefdarstellungen gefunden. Die Anhöhe ist von einer schwererkennbaren Mauer umgeben, und an deren Fuß befinden sich einige Gräber.
Bei einer Rettungsgrabung aus dem Jahr 1994 grub man auf einem Acker westlich von Sochos einen kleinen Teil der Ruine eines Gebäudekomplexes aus, die um die spätrömische zeit datiert wurde. Entdeckt wurde hier ein Gebäude von rechteckigem Grundriss, gebaut aus Steinen und gebrannten Ziegelsteinen, die mit Mörtel verbunden sind. Auf dem Nachbaracker fand man in früheren Zeiten ein römisches gemauertes Grab.
Im August 1996 fand eine weitere kurze Ausgrabung statt. Man untersuchte drei kistenförmige aus Ziegelsteinen gebaute Gräber sowie ein mit Dachziegeln bedecktes Grab, das man am Steilufer eines Trockenflusses westlich von Sochos entdeckte. Auf zwei der kistenförmigen Gräber war eine altarartige Konstruktion aus kleinen Steinen errichtet. In einem der Gräber entdeckte man zwei goldene Siegelringe mit eingraviertem Halbedelstein. Dargestellt waren ein Hahn und eine Amphore. Die Gräber und die Funde werden in das 2.-3. Jahrhundert n.Chr. datiert.
El Dorado der Antike
Die antiken Quellen berichten über den Reichtum an Gold, Silber und Bauholz dieser Gegend, der sie für verschiedene Eindringlinge begehrenswert machte. Die Athener, die Chalkeier, die Perser und die Makedonen bemühten sich, hier Fuß zu fassen, und manches Abenteuer erlebte die Gegen schon zu antiker Zeit.
Das Rätsel um Sochos
Eine direkte Erwähnung von Sochos in antiken Quellen ist bisher nicht bekannt. Frühere Gelehrte hielten Sochos für die antike Stadt Lete. Seitdem Ausgrabungen den wahren Standort von Lete jedoch enthüllten, ging das Rätseln weiter. Man nimmt z.Zt. an, dass die heutige Stadt auf dem Gebiet der antiken makedonischen Stadt Ossa steht, was jedoch wiederum reine Spekulation ist, da die Geschichte von Sochos und der gesamten Region bis heute nur oberflächlich untersucht worden ist.
Zentralstation an der Via Egnatia
Sochos war die Zentralstation der römischen Militärstraße Via Egnatia und zwar des Abschnitts zwischen Thessaloniki und Amphipolis. Die Stadt, die wahrscheinlich aus mehreren funktionell verschiedenen Teilen bestand, war mit Herbergen, Werkstätten, Depots, Badanlagen, profanen und sakralen Bauen ausgestattet. Sie war gleichzeitig Transportzentrum, Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte, Erze Holz, hatte mindestens ein Erzbergwerk und war das wichtigste religiöse Zentrum in der ganzen Region. In Sochos existierten wahrscheinlich mehrere wichtige überregionale Heiligtümer: das von Sokos-Hermes (dem Schutzpatron der Händler, Wanderer, Transporteure und Diebe), das von Herakles-Apollon (Gottheiten, die mit der Heilkunst, der Musik und der Wahrsagung in Zusammenhang standen), das der Idäen Daktylen-Kabeiren (Schutzpatron der Erzverarbeiter und Schmiede) sowie das des Dionysos 8Schutzpatron der Landwirte, Fruchtbarkeitsgott).
Knotenpunkt der Geschichte
Aufgrund seiner Lage an der wichtigsten west-östlichen Route wurde Sochos zu verschiedenen Zeiten zeuge umwälzender geschichtlicher Ereignissee. Der persische König Xerxes passierte mit seinem gewaltigen Heer im 481 v.Chr. hier das Land auf seinem Eroberungszug durch Griechenland. Alexander der Große zog um 334 v.Chr. mit seinen Truppen durch dieselbe Gegend, um das persische Reich zu unterwerden. Marcus Antonius zog 42 v.Chr. als strahlender Sieger nach der Vernichtung der Cäsarmörder bei Philippi ebenfalls hier durch, und der Apostel Paulus machte bei seiner ersten Mission auf europäischim Boden um 51 n.Chr hier Halt.. Die Truppen des ersten Kreuzzuges wählten um 1097 n.Chr. ebenfalls diese Route auf ihrem Marsch zur Befreiung Jerusalems von den Arabern. Es ist ferner überliefert, das der türkische Sultan und Eroberer von Thessaloniki, Murat I., mit seinen Truppen um 1430 n.Chr. bei Sochos übernachtete.
Sochos, Apollonia, Theodoria, Bogdanowo, Moravita, Sochos
Um das Heiligtum des Sokos oder Sochios Hermes entstand wahrscheinlich der erste gleichnamige Siedlungskern. Später in den Jahren 436-13 v.Chr. vergrößerte sich die Siedlung durch die Zuwanderung der Chalkeideer und wurde zur Stadt Apollonia, die in antiken Quellen erwähnt wird. Sie existierte bis in die römische Zeit hinein und nahm wahrscheinlich römische Veteranen auf. Die Stadt verlor später in den Wirren (Awaren-, Serben-, Slawenüberfälle, Kreuzritter- bzw. Frankenherrschaft) ihre Bedeutung und wurde mit dem aufkommenden Christentum - wahrscheinlich unter dem Kaiser Justinian - reorganisiert und (wie die Flurnamen bezeugen) zu Thodoria umbenannt. Aus Hermes wurde Christophorus und aus Apollon und Dionysos Theodor. Anstelle der alten Tempel entstanden christliche Basiliken, und der alte beliebte Dionysos-Kult (Anthesteria) überlebte bis heute in der Form des Berühmten Karnevals von Sochos. Durch die Einwanderung slawischer Stämme taufte der Ort seinen Namen in Bogdan(-owo) (Bogdan = Theodor) um. Möglich ist den Flurnamen zufolge auch, dass der Ort zur Zeit der fränkischen Herrschaft Moravita hieß. Unter der türkischen Herrschaft (ab ca. 1430) stabilisierten sich die Verhältnisse (Pax osmanica), der Transporthandel blühte wieder auf, und der alte ursprüngliche Stadtkern um den Ortsteil Sokos (-Hermes) gewann wieder die Oberhand und machte den Ort unter diesem Namen bekannt. Der Name wies zudem eine Reihe von Vorteilen auf: für die Altansässigen war er ein gebräuchlicher Name, der keine heidnischen Elemente mehr enthielt, und für die Türken sowie die Slawen war der Name volksetymologisch akzeptabel (türk. "Sou - ka" hervorragendes Wasser; slaw. "Sucho" = trockener Ort).
Der Karneval von Sochos, lebendige Antike
Zu den wichtigsten kulturellen und gesellschaftlichen Höhepunkten von Sochos gehört auch die o.g. jährliche Karnevalsfeier. Es handelt sich hierbei um uraltes Brauchtum, das seinen Ursprung in den antiken Kulturen von Apollon und Dionysos hat. Dabei wird eine formlose Maskenprozession durchgeführt, bei der die Akteure in Kostümen aus Ziegenfellen agieren und eine hohe verzierte Maske aus gleichem Material tragen. Um ihre Taillen tragen sie sorgfältig ausgewähltes Geläut von mehreren Kilogramm Gewicht, welches sie immer wieder zum Erklingen bringen. Dem antiken heidnischen Zeremoniell wurden im Laufe der Jahrhunderte die Heiligenlegenden der beiden gleichnamigen militärischen heiligen Theodor (Theodor der Heerführer und Theodor der Rekrut) übergestülpt, was zur größeren gesellschaftlichen Akzeptanz des Brauchtums führte.
In den Wirren des 20. Jahrhunderts
Die Stadt wurde am 27. Oktober 1912 während der Balkankriege von griechischen Truppen befreit und konnte sich trotz starker Interventionen Bulgariens und seiner Verbündeten, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges andauerten, als Teil des griechischen Staates behaupten. 1924 wurde zwischen Griechenland und der Türkei ein Bevölkerungsaustausch vorgenommen, was zur Folge hatte, dass die Türken auswanderten und griechische Flüchtlinge aus Klein-Asien nach Sochos und Umgebung umgesiedelt wurden. Nach überstandenem Ersten und Zweiten Weltkrieg (Sochos ist eine strategisch wichtige Stadt in der Region und war bei jedem militärischen Konflikt direkt oder indirekt tangiert) erlebte die Stadt die Wirren des Bürgerkrieges, die bis 1949 dauerten, und große Verluste verursachten.
Durch den Kalten Krieg und den Eisernen Vorhang verlor der gesamte griechische Norden seine natürlichen nördlichen Handelspartner und wurde so zum Armenhaus Griechenlands. Viele Bewohner von Sochos suchten eine neue Existenzgrundlage in den griechischen Großstädten Thessaloniki und Athen sowie im Ausland. Erst nach 1990 konnte dieser Trend umgekehrt werden.
Konstantinos Leontopoulos
Berlin-Lichterfelde